Ljudmila & Marco:

"Lange Nächte in Tatarstan"

Bis zum Juli 2003 hatten wir einen dicken Packen Internetbriefe uns jeder gegenseitig geschrieben, über ein Jahr. Ungefähr 50, oft längere Briefe, bekam jeder vom anderen. Wir, Ljudmila und Marko, wussten also vor unserem ersten realen Kennenlernen sehr viel über uns. Doch die erste Reise für ein
Treffen zog sich hin, weil während des Universitätssemesters ging es nicht, auch wegen des Arbeitspensums. Aber im Sommer 2003 war dann der Plan für 16 Tage Tatarstan fertig. (weiterlesen)

Nachdem ich alle Flugstrapazen vor allen Dingen den Zoll in Moskau überwunden hatte und zum anderen Flughafen gefunden hatte, landete ich ganz früh in Ufa. Dort trafen wir uns am Zaun zum ersten Mal nicht virtuell. Wir hatten wohl beide lange auf diesen Augenblick gewartet. Mitgebracht wurde
von mir eine sehr kleine Topfblume mit roten Blüten. Sie hatte die Fahrt in einer Schachtel gut überstanden. Während wir auf das Gepäck warteten, wurde das Gewächs besichtigt und ich bekam zwei Lippen auf die Wange. Mit einem Taxi fuhren wir in die gemietete kleine Wohnung. Ich musste dann
erst mal ausschlafen und am Nachmittag machten wir die erste Exkursion, abends gab es Pelmeni und den ersten Kuss auf den Mund. Am nächsten Tag besichtigten wir die Denkmäler der Stadt, den nicht sehr üppigen botanischen Garten. War trotzdem gut. Wir machten viele Fotos. Und wir zogen um ins
Hotel. Es ging um den Stempel für die Migrationskarte, die man hinterher beim Zoll abgeben muss.

Am nächsten Tag ging es nach Nabereshnye Chelny mit einem Kleinbus. Hatte sie alles organisiert. Dort wohnt Ljudmila. Wir waren in Ausstellungen regionaler Künstler, in Museen. Einmal wollte wir eine Kirche besichtigen. Wir kamen aber nicht ran. Irgendwann fanden wir einen Weg. Die Kirche war nur dummerweise Teil eine Polizeischule. So wurden wir hinauskomplimentiert. Quer über ein Fussballfeld trug ich sie dann auf meinen Händen aus der „Gefahrenzone“.

Wir waren dann auch noch drei Tage in Kasan. In der Wolga waren wir baden. Übermässig sauber war das Wasser leider nicht. Wir sind dann noch eine Stunde auf der Wolga gerudert mit einem Boot, direkt vorm Kasaner Kreml. Eine schöne Fahrt mit dem Tragflächenboot machten wir auf der Wolga zu einer alten Stadt, wo nur noch einige Überreste vorzufinden waren. Den ganzen Tag ging die Exkursion. Einen hohen Turm mit einer Wendeltreppe und zuletzt ohne Fenster bezwangen wir mit einer kleinen Taschenlampe.

Schlafen war manchmal wegen der hohen Temperaturen schwierig, überdies trieben die Mücken böses Spiel. Aber es lag nicht nur daran, dass manche Nacht lang wurde. Einmal gab es Käsesuppe, zubereitet vom Chefkoch, also mir. Um sieben hatten wir uns verabredet. Um diese Zeit wollte sie von ihren Eltern zurück sein. Die Suppe war fertig, doch Ljudmila kam nach Londoner Zeit. Die Suppe schmeckte dann trotzdem noch, nur erheblich später.

 

Wir haben uns aber bestens miteinander verstanden, gingen ausschliesslich Hand in Hand durch die Strassen. So viel geküsst wie in den paar Tagen habe ich noch nie in meinem Leben. Verständigt haben wir uns im Dreisprachen-Mischmasch. Etliches konnten wir auf Englisch sagen. Ich hatte mir eine ganze Reihe russische Wörter beigebracht und sie konnte ein wenig Deutsch. Das reichte meistens für die wichtigsten Sachen. Gelesen haben wir auch Gedichte von Alexander Puschkin aus einer zweisprachigen Ausgabe. Sie in deutscher Sprache und ich in russischer Sprache.

An einem Tag installierten wir die Kamera an ihrem Computer für die Zeit danach. Das funk-tionierte mit Hilfe von meinem Bruder. Nach zwei Stunden Ratlosigkeit stand die Direktver-bindung in Bild und Ton nach Berlin dann doch. Die letzten Tage rückten dann heran. Aber wir nutzen die Zeit richtig aus in jeder Hinsicht. Aber der Abschied auf dem Flughafen in Ufa ist dann doch kein einfacher gewesen. Jedenfalls war es für uns eine sehr schöne Zeit und es spricht sehr vieles dafür, dass wir zusammen bleiben werden. Gelegentlich können wir uns via Kamera sehen und über den richtigen Zeitpunkt der nächsten Reise wird schon nachgedacht.

 
Zurück

Erfolgsgeschichten